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Wenn der Wind sich dreht – die Vata-Jahreszeit im Ayurveda

vor 3 Tagen
5 Min. Lesezeit

Unsere Yogis wissen schon längst, dass ich von der Konstitution Vata bin und wenn jetzt auch noch die kältere Jahreszeit beginnt, sehen sie ihre Yogalehrerin (die Frostbeule :-)) mit Schal und Mütze auf der Matte, obwohl noch längst kein Winter ist. Vielleicht geht es einigen von euch auch so und aus diesem Grund gibt es heute diesen Blogartikel für euch. Viel Spaß beim Lesen!



Wenn der Sommer geht...

Die Luft wird kühler, morgens liegt vielleicht schon ein Hauch von Nebel über den Straßen und die ersten Blätter beginnen zu fallen. Der Sommer zieht sich langsam zurück – und mit ihm verändert sich nicht nur die Natur. Auch unser Körper und unser Nervensystem reagieren auf den Wechsel der Jahreszeiten.

Im Ayurveda beginnt nun die Zeit von Vata.

Doch was bedeutet das eigentlich? Und warum fühlen wir uns gerade im Herbst manchmal unruhiger, erschöpfter und sehnen uns stärker nach Ruhe und Rückzug?


Wann beginnt die Vata-Jahreszeit?

Im Ayurveda werden die Jahreszeiten weniger nach einem festen Kalenderdatum betrachtet, sondern nach ihren vorherrschenden Eigenschaften.

Die Vata-Zeit beginnt typischerweise mit dem Übergang vom Spätsommer in den Herbst, wenn das Wetter zunehmend kühler, trockener, windiger und wechselhafter wird. In unseren Breitengraden macht sich das häufig ab September oder Oktober bemerkbar und begleitet uns durch den Herbst bis in den frühen Winter.

Und genau diese Eigenschaften – kühl, trocken, leicht und beweglich – werden im Ayurveda dem Dosha Vata zugeordnet.

Dabei gilt ein wichtiger ayurvedischer Grundsatz:

Ähnliches verstärkt Ähnliches.

Wenn draußen also besonders viel „Vata“ herrscht, können diese Eigenschaften auch in uns stärker spürbar werden.


Was ist Vata eigentlich?

Vata ist eines der drei sogenannten Doshas im Ayurveda und setzt sich aus den Elementen Luft und Raum zusammen.

Es steht für Bewegung, Kreativität, Veränderung, Kommunikation und Flexibilität. Vata ist unter anderem mit Bewegung und Aktivität im Körper verbunden – und wird in der traditionellen ayurvedischen Lehre auch mit Atmung, Verdauungsbewegungen und geistiger Beweglichkeit in Verbindung gebracht.

In Balance kann sich Vata wunderbar anfühlen: leicht, neugierig, kreativ, spontan und voller neuer Ideen.

Wird es jedoch zu viel, kann aus Bewegung schnell Unruhe werden.

Vielleicht kennst du das gerade im Herbst:

Du hast viele Gedanken gleichzeitig und bist bist schneller erschöpft. Deine Haut fühlt sich trockener an. Du frierst häufiger. Du sehnst dich nach Ruhe, kannst aber nur schwer abschalten. Oder du merkst, dass dein Alltag plötzlich etwas hektischer wirkt.

Aus ayurvedischer Sicht können das Hinweise darauf sein, dass die Vata-Qualitäten gerade besonders präsent sind.


Die Antwort auf Vata: Wärme, Ruhe und Erdung

Ayurveda arbeitet gerne mit Gegensätzen.

Wenn Vata kalt ist, hilft Wärme. Wenn Vata trocken ist, hilft Feuchtigkeit und Öl.Wenn Vata beweglich und unruhig ist, helfen Rhythmus und Ruhe.

Der Herbst muss also gar keine Jahreszeit sein, durch die wir uns irgendwie hindurch kämpfen. Er kann vielmehr eine Einladung sein, unser Tempo ein wenig zu verändern.


1. Wärme dich von innen

Warme Mahlzeiten sind in der Vata-Zeit besonders wohltuend. Suppen, Eintöpfe, Ofengemüse, Porridge oder ein warmes Curry passen wunderbar in diese Jahreszeit.

Auch Gewürze wie Zimt, Ingwer, Kardamom, Kreuzkümmel oder Fenchel werden traditionell im Ayurveda gerne verwendet.

Statt morgens mit etwas Eiskaltem zu beginnen, darf es vielleicht wieder eine Tasse warmes Wasser, Kräutertee oder eine Goldene Milch sein.


2. Schaffe dir kleine Alltagsrituale

Vata liebt Bewegung – manchmal jedoch ein bisschen zu sehr.

Gerade deshalb können feste Abläufe besonders guttun: ähnliche Schlafenszeiten, regelmäßige Mahlzeiten oder ein kleines Abendritual.

Es muss gar nichts Großes sein.

Eine Kerze anzünden.Eine Tasse Tee trinken.Das Handy früher weglegen.Ein paar ruhige Atemzüge nehmen.

Schon kleine wiederkehrende Momente können dem Tag Struktur geben.


3. Entdecke die Kraft von Öl

Eine der schönsten ayurvedischen Herbsttraditionen ist die Abhyanga, die warme Selbstmassage mit Öl.

Traditionell wird in der Vata-Zeit häufig warmes Sesamöl verwendet. Das Öl wird sanft in die Haut einmassiert und darf anschließend etwas einwirken.

Allein das Ritual kann wunderbar entschleunigend sein: langsame Bewegungen, Wärme und bewusste Berührung – ein Moment nur für dich.

Wenn deine Haut empfindlich ist oder du Hauterkrankungen hast, solltest du ein passendes Öl allerdings vorher individuell abklären.


4. Praktiziere Yoga, das dich erdet

Vielleicht brauchst du im Herbst nicht noch mehr Tempo.

An Tagen, an denen ohnehin schon vieles gleichzeitig passiert, können ruhige Yogaformen einen wohltuenden Gegenpol schaffen.

Besonders schön sind beispielsweise:

Yin Yoga, ruhige Hatha-Praxis, sanfte Vorbeugen, erdende Standhaltungen, längere Entspannungsphasen, Meditation oder Yoga Nidra.

Statt dich immer weiter anzutreiben, darf deine Yogamatte im Herbst zu einem Ort werden, an dem du wieder bei dir ankommst.


5. Atme langsamer

Wenn der Kopf voller Gedanken ist, richten wir unsere Aufmerksamkeit im Yoga gerne auf etwas, das immer bei uns ist: unseren Atem.

Eine einfache Übung:

Setze dich bequem hin und schließe, wenn es angenehm ist, die Augen.

Atme ruhig durch die Nase ein.

Lass deine Ausatmung ein wenig länger werden als deine Einatmung – ganz ohne Druck.

Beobachte für einige Minuten nur das Kommen und Gehen des Atems.

Manchmal braucht es nicht mehr.


6. Weniger ist manchmal mehr

Gerade im Herbst dürfen wir uns fragen:

"Muss wirklich alles gleichzeitig stattfinden?"

Vata steht für Bewegung und Veränderung. Ein voller Terminkalender, ständige Erreichbarkeit, viele Reisen, wenig Schlaf und permanent neue Reize können deshalb aus ayurvedischer Sicht zusätzlich Unruhe hineinbringen.

Vielleicht ist der Herbst genau die richtige Zeit, wieder etwas mehr Raum zwischen die Termine zu bringen.

Nicht noch eine Aufgabe, sondern eine Pause.


7. Geh hinaus – aber zieh dich warm an

Ein Spaziergang durch raschelndes Herbstlaub kann wunderbar erdend sein. Natur hilft uns, den Wechsel der Jahreszeit ganz bewusst wahrzunehmen.

Warme Kleidung, ein Schal und gemütliche Schuhe machen dabei einen Unterschied. Denn während ein frischer Herbstspaziergang belebt, kann dauerhaftes Frieren gerade für Menschen, die ohnehin schnell auskühlen, unangenehm sein.

Und vielleicht wartet danach zu Hause schon eine warme Tasse Tee.


Der Herbst muss nicht nur eine Zeit des Loslassens sein

Wir sprechen im Herbst häufig davon, loszulassen – wie die Bäume ihre Blätter.

Vielleicht dürfen wir die Jahreszeit aber noch etwas anders betrachten.

Als Einladung, langsamer zu werden.

Wieder mehr Wärme in unseren Alltag zu holen.

Uns gut zu nähren.

Nicht jeder Bewegung im Außen folgen zu müssen.

Und uns daran zu erinnern, dass Rückzug nicht Stillstand bedeutet.

Die Natur macht es uns jedes Jahr vor: Sie zieht ihre Kräfte nach innen, bevor irgendwann wieder etwas Neues entstehen kann.

Vielleicht dürfen auch wir genau das tun.

Weniger müssen. Mehr spüren. Tiefer atmen. Und wieder ein bisschen mehr bei uns selbst ankommen.


Bei Luneya Yoga begleiten wir dich mit Yoga, Meditation, Atemarbeit und achtsamen Impulsen durch die verschiedenen Jahreszeiten.


Namasté


Hinweis: Ayurveda ist ein traditionelles indisches Gesundheitssystem. Die beschriebenen Doshas und Empfehlungen stammen aus der ayurvedischen Lehre und ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

 
 
 

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