top of page
Suche

Warum Naturerfahrungen unser autonomes Nervensystem beruhigen

vor 4 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Ein Spaziergang durch den Wald, das Rauschen von Blättern, der Blick über einen See oder einfach ein paar Minuten barfuß auf einer Wiese – Ulf und ich haben immer schon nach kurzer Zeit gespürt: Etwas in uns wird ruhiger.

Der Atem wird tiefer. Die Gedanken werden langsamer. Die Schultern sinken ein wenig nach unten.

Dass Natur uns guttut, ist nicht nur ein schönes Gefühl. Naturerfahrungen können auch dazu beitragen, unser autonomes Nervensystem zu regulieren und unserem Körper das Signal zu geben: "Du darfst zur Ruhe kommen". Das wissen wir mit Gewissheit, seit wir uns intensiv mit dem Thema Resilienz beschäftigen.


Unser Nervensystem ist ständig im Einsatz

Das autonome Nervensystem steuert viele Vorgänge in unserem Körper, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen – zum Beispiel Herzschlag, Atmung, Verdauung und zahlreiche Stressreaktionen.

Vereinfacht gesprochen wechseln wir dabei immer wieder zwischen Aktivierung und Regeneration.

Der Sympathikus unterstützt uns dabei, wach, leistungsfähig und handlungsbereit zu sein. Das ist grundsätzlich etwas sehr Sinnvolles. Problematisch wird es vor allem dann, wenn unser Körper durch Termine, Reizüberflutung, Sorgen, Zeitdruck oder ständige Erreichbarkeit kaum noch Gelegenheit bekommt, aus diesem Aktivierungsmodus herauszufinden.

Der Parasympathikus steht dagegen stärker für Erholung, Verdauung, Regeneration und Ruhe.

Unser Körper braucht beides.

Entscheidend ist die Fähigkeit, nach einer Phase der Aktivität auch wieder in einen Zustand von Ruhe und Sicherheit zurückzufinden.


Die Natur verlangt nichts von uns

Unser Alltag ist häufig geprägt von Bildschirmen, Geräuschen, Informationen und Entscheidungen. Schon morgens beginnt für viele Menschen eine Flut an Reizen.

Die Natur funktioniert anders.

Ein Baum erwartet keine Antwort. Ein Fluss braucht keine Entscheidung. Der Himmel verlangt keine Aufmerksamkeit.

Natürliche Umgebungen können unserem Gehirn eine Form von sanfter Aufmerksamkeit ermöglichen. Wir nehmen zwar wahr, was um uns herum geschieht, müssen diese Eindrücke aber häufig weniger stark bewerten oder verarbeiten.

Genau darin kann etwas sehr Erholsames liegen.


Natürliche Rhythmen können uns entschleunigen

In der Natur begegnen uns Rhythmen, die sich deutlich von der Geschwindigkeit unseres Alltags unterscheiden.

Wolken ziehen langsam vorbei.

Blätter bewegen sich im Wind.

Wasser fließt.

Vögel singen.

Das Licht verändert sich.

Wenn wir beginnen, diese kleinen Veränderungen bewusst wahrzunehmen, verlagert sich unsere Aufmerksamkeit weg vom Gedankenkarussell und hin zum gegenwärtigen Moment.

Wir müssen dabei gar nichts Besonderes tun.

Allein das bewusste Beobachten kann zu einer kleinen Achtsamkeitspraxis werden.


Der Atem verändert sich

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du kommst an einen ruhigen Ort in der Natur und atmest plötzlich ganz automatisch einmal tief ein und wieder aus.

Ein langsamer und ruhiger Atem kann wiederum Signale von Entspannung an den Körper senden.

Besonders das etwas längere Ausatmen wird häufig in Atem- und Entspannungsübungen genutzt, um das Nervensystem dabei zu unterstützen, aus starker Aktivierung wieder in einen ruhigeren Zustand zu wechseln.

Natur und bewusste Atmung lassen sich deshalb wunderbar miteinander verbinden.


Natur bringt uns zurück in den Körper

Stress spielt sich häufig nicht nur im Kopf ab.

Vielleicht spüren wir einen verspannten Nacken, einen angespannten Kiefer, einen unruhigen Atem oder das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen.

Naturerfahrungen laden uns dazu ein, unsere Sinne wieder bewusst wahrzunehmen.

Wie fühlt sich der Boden unter meinen Füßen an?

Wie riecht die Luft?

Welche Geräusche kann ich hören?

Welche Farben sehe ich?

Spüre ich die Sonne oder den Wind auf meiner Haut?

Diese Wahrnehmungen holen unsere Aufmerksamkeit zurück in das Hier und Jetzt.

Wir verlassen für einen Moment die Welt unserer Gedanken und beginnen wieder zu spüren.


Natur kann ein Gefühl von Sicherheit vermitteln

Für unser Nervensystem spielt die Wahrnehmung von Sicherheit eine wichtige Rolle.

Ein geschützter Platz unter einem Baum, ein weiter Blick über eine Landschaft oder das gleichmäßige Geräusch von Wasser können von vielen Menschen als angenehm und beruhigend erlebt werden.

Dabei reagiert natürlich jeder Mensch unterschiedlich. Nicht jede Umgebung fühlt sich für jeden gleichermaßen entspannend an.

Deshalb geht es nicht darum, dass Natur „automatisch“ entspannen muss.

Viel wichtiger ist die Frage:

Wo kann mein Körper ein wenig loslassen?

Vielleicht ist es der Wald.

Vielleicht ein ruhiger Garten.

Vielleicht das Meer.

Oder einfach die Bank unter deinem Lieblingsbaum.


Warum Natur und Yoga so wunderbar zusammenpassen

Yoga lädt uns dazu ein, wahrzunehmen statt zu bewerten.

Den Atem zu beobachten.

Den eigenen Körper zu spüren.

Langsamer zu werden.

Und genau dazu kann uns auch die Natur einladen.

Eine Yogapraxis draußen kann deshalb eine ganz besondere Qualität bekommen.

Plötzlich ist das Rascheln der Blätter Teil der Meditation. Der Boden unter der Yogamatte ist nicht vollkommen eben. Der Wind berührt die Haut. Vielleicht scheint die Sonne durch die Baumkronen.

Wir müssen die Natur dabei nicht ausblenden.

Wir dürfen sie Teil der Praxis werden lassen.


Eine kleine Naturübung für dein Nervensystem

Wenn du das nächste Mal draußen bist, probiere für einige Minuten Folgendes:

Stelle oder setze dich an einen Ort, an dem du dich wohlfühlst.

Spüre zunächst bewusst den Kontakt deiner Füße zum Boden.

Atme ruhig durch die Nase ein und langsam wieder aus.

Dann richte deine Aufmerksamkeit nacheinander auf deine Sinne.

Schau: Welche drei Farben kannst du entdecken?

Höre: Welche drei unterschiedlichen Geräusche kannst du wahrnehmen?

Spüre: Wo berührt die Luft deine Haut?

Rieche: Gibt es einen Duft, den du wahrnehmen kannst?

Anschließend lege für einen Moment eine Hand auf deinen Bauch oder deinen Brustkorb.

Atme ein.

Und etwas länger wieder aus.

Du musst nichts verändern.

Nimm einfach wahr, wie es dir gerade geht.


Wir brauchen nicht immer mehr – manchmal brauchen wir weniger

Unser Nervensystem braucht nicht ständig neue Methoden, Aufgaben oder Optimierungsprogramme.

Manchmal braucht es vor allem weniger.

Weniger Reize.

Weniger Geschwindigkeit.

Weniger Müssen.

Und dafür mehr Raum.

Mehr Atem.

Mehr Wahrnehmung.

Mehr Verbindung.

Die Natur erinnert uns daran, dass Entspannung nicht immer etwas ist, das wir aktiv herstellen müssen.

Manchmal entsteht sie, wenn wir für einen Moment aufhören, irgendwohin gelangen zu wollen.

Vielleicht ist genau das eines der schönsten Geschenke der Natur:

Sie bringt uns nicht weiter weg von uns selbst – sondern wieder ein kleines Stück näher zu uns zurück.


Vielleicht gehst du auch mal raus in den Wald, in den Park oder an den See. Ohne Handy, ohne Ablenkung, ganz in Stille und kannst fühlen, wie du dich mit jedem Schritt entspannst.


Viel Spaß dabei

Ulf & Carmen

 

 
 
 

Kommentare


bottom of page